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Die Wahl des Unternehmensstandortes

Nachdem ich mit meinem Geschäft in der Schweiz gestartet war, bewogen mich immer mehr Gründe den Sitz nach Österreich zu verlegen. Seit Juli 2017 operiere ich offiziell aus Wien heraus.

Kurz nachdem ich begonnen hatte mein Jeans-Geschäft aufzubauen, stellte sich mir die Frage des Unternehmensstandortes. Anfang 2017 hatte ich eine Einzelfirma an meinem Wohnort in der Schweiz gegründet, um meine Investitionen abrechnen zu können. Doch arbeitete ich eng mit meiner Designerin in Wien zusammen. So wurden die meisten Entwicklungsarbeiten in Wien getätigt. Deshalb stellte ich mir die Frage, ob die Schweiz überhaupt der richtige Unternehmensstandort für mich ist.

Nachdem ich das Umfeld und die für mich relevanten Geschäftsprozesse analysiert hatte, wurde mir immer deutlicher, dass Wien viele Vorteile hat: Import und Export innerhalb der EU, das generelle Kostenniveau und die für Kleinunternehmen angebotenen Förderungen des österreichischen Staates. Zudem war ich mit der Stadt schon vertraut, pendelte regelmäßig dorthin und hatte ein eigenes Zimmer in einer WG.

Vertrieb über die Grenzen

Österreich oder die Schweiz sind als Modemärkte schlicht zu klein, um nur national zu vertreiben. Deshalb war für mich schon früh klar, dass ich meinen Vertrieb grenzübergreifend gestalten muss. Ich setzte mir zum Ziel, zuerst den deutschsprachigen Markt zu erschließen. Dies erfordert grenzüberschreitenden Handel, das heißt dass Import und Export für mich zentrale Geschäftsprozesse sind.

Die Schweiz ist zwar Mitglied im europäischen Wirtschaftsraum, doch existieren noch Zollabwicklungen. Auch wenn Freihandelsabkommen existieren ist der administrative Aufwand wegen der Zollabwicklung erheblich. Innerhalb der EU ist der Handel zollfrei und unkompliziert.

Kostenunterschiede von 50% und mehr

Ein noch wichtigeres Thema ist das Kostenniveau. Da es für mich keine Rolle spielt, wo ich mein Office und mein Lager betreibe, wenn ich grenzüberschreitenden Handel betreiben will, kann ich den Unternehmensstandort nach dem Kostenniveau wählen. Mir fiel auf, dass die meisten Leistungen in Österreich deutlich günstiger sind als in der Schweiz, wie Transporte, Mieten, Saläre oder der Einkauf von Waren.

Preisniveaus Schweiz versus Österreich

Zum Beispiel kostet der Versand von Waren für österreichische Firmen über die Hälfte weniger als für Schweizer Firmen, und dies beim gleichen Anbieter! So hatte ich zum Beispiel in der Schweiz einen Vertrag mit DHL und ließ Waren aus dem Ausland liefern. Ein Preisvergleich deckte auf, dass ich als Schweizer Unternehmen mehr als 70% mehr bezahle, als wenn ich ein österreichisches Unternehmen wäre. Und dies für identische Leistungen: DHL hat für eine Lieferung von A nach B die genau gleichen Aufwendungen, verrechnet aber an Schweizer Firmen 70% mehr – eine Frechheit!

Der Förderstaat Österreich

Man kann geteilter Meinung sein zu den politischen Systemen in den verschiedenen Ländern. Jedes System hat seine Vor- und Nachteile und hängt davon ab, ob man Freiheit oder Sicherheit höher gewichtet. Ich bin ein Freund von liberalen Systemen, die im Gegensatz zu hochregulierten Systemen meist effizienter und wirtschaftsfreundlicher sind. Der österreichische Staat gehört mit einer Staatsquote von über 50% nicht unbedingt zu den wirtschaftsfreundlichsten Staaten. Bürokratie, Regulierungsfreudigkeit und Umverteilung werden hier über Steuerquoten von 50% und mehr finanziert.

Auch die Unternehmenssteuer ist mit 25% verhältnismäßig hoch. Doch alles hat eine Kehrseite: In Österreich gibt es eine Förderkultur, die seinesgleichen sucht. Dies ist für junge Unternehmen sehr vorteilhaft. Zudem wurden im Bereich Unternehmensgründungen in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt, indem Prozesse vereinfacht und Kosten reduziert wurden.

Meine Liebe zu Wien

Trotz kritischen Punkten ist in Österreich sehr vieles zum Guten, zum Beispiel die sehr hohe Lebensqualität und die im Vergleich zur Schweiz eher offenere Gesellschaft. Nicht ungefähr rangiert Wien regelmäßig an erster oder zweiter Stelle im Ranking der lebenswertesten Städte. Das hängt an vielen Faktoren, unter anderem an einer guten Infrastruktur, guten Bildungsinstitutionen und ein vielfältiges kulturelles Angebot, um einige Beispiele zu nennen. In den letzten Jahren habe ich deshalb meine Liebe zu Wien gefunden.

Monocle Städte Ranking 2015

Ranking von 2015 des englischen Magazins Monocle

Aus all den oben genannten Gründen entschied ich mein Unternehmen nach Österreich zu verlegen. Deshalb gründete ich im Sommer 2017 ein Einzelunternehmen in Wien und begann immer mehr Tätigkeiten darüber abzuwickeln. Dabei machte ich Bekanntschaft mit der Wirtschaftskammer Österreich, die einen guten Job macht und viele Leistungen für Unternehmen anbietet.

 

Titelbild: Wikipedia, Blick vom Stephansdom auf die Stadt Wien

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